Das erste Mal Putzmittel.
- Sonna Lee
- 11. Juni
- 3 Min. Lesezeit
Wie ich vor einem Regal stand und merkte, dass Erwachsenwerden komplizierter ist als gedacht.

Mit 17 Jahren stand ich zum ersten Mal allein vor einem Regal voller Putzmittel, die für meinen eigenen Haushalt gedacht waren.
Eigentlich dachte ich, der Einkauf wäre eine Sache von fünf Minuten.
Als ich dann aber vor dem langen Regal stand mit den vielen bunten Etiketten, und der riesigen Auswahl, wurde mir ganz anders.
Oh, ziemlich teuer alles.
Ich lief das Regal ab und suchte nach bekannten Namen, Farben, irgendwas, was mir weiterhelfen konnte. Ich wollte den Einkauf schnell hinter mir haben.
Doch langsam wurde ich immer unsicherer: Welche Marken hatten wir benutzt? Und was brauche ich eigentlich alles? Ich bekam das Gefühl, alles kaufen zu müssen.
Ich drehte mich um und ging, ohne einzukaufen, wieder zurück in meine Wohnung.
In mir kämpften die Unsicherheit und ein neues Gefühl: die Überforderung.
Ich wünschte mir, ich könnte einfach die Ersatzflaschen aus dem Schrank meiner Mutter herausnehmen und mir den Einkauf sparen.
Leider war das keine Option, meine Eltern wohnten nicht in der gleichen Stadt wie ich und uns trennten einige Hundert Kilometer voneinander.
Ich ging durch meine 1-Zimmer-Wohnung, durch die Küche und das Bad, schaute mich um und versuchte mich daran zu erinnern, was ich eigentlich alles brauchte. Ich erhoffte mir damit, vielleicht gezielter einkaufen zu können und, wenn möglich, Geld zu sparen.
Irgendwo musste ich doch anfangen und wählte die Küche.
Hier gab es eine Spüle, Geschirr und einen Standherd mit Ofen.
Was stand hierfür immer bei den Eltern im Schrank?
Mir fiel auf, wie einfach es bis dahin immer gewesen war, nur den Schrank zu öffnen und sich keine Gedanken machen zu müssen. Es war immer alles da.
Allein in der Küche erinnerte ich mich, dass es Spülmittel fürs Geschirr gab, Scheuermilch zum Reinigen der Spüle und noch zwei zusätzliche Reiniger, einmal für den Herd und einen für den Ofen.
Zum Auftragen, Wischen, Kratzen oder zum Trocknen brauchte ich auch noch etwas und schrieb Lappen, Schwamm, Bürste und Handtuch auf die Liste.
Jetzt das Bad.
Hier habe ich einen Spiegel, eine Badewanne, ein Waschbecken, eine Waschmaschine und eine Toilette.
Für den Spiegel könnte ich auch Glasreiniger nehmen, oder?
Dann brauche ich Toilettenreiniger, eine Bürste und Toilettenpapier
Und beim Waschmittel? Sollte ich flüssig oder Pulver nehmen?
Hatten wir für Waschbecken und Badewanne eigentlich Kalkreiniger, oder Allzweckreiniger?
Der Rest der Wohnung hatte nur noch Boden und Fenster.
Steinboden im Bad, dürfte der Allzweckreiniger gehen.
Bei Laminat muss ich da einen zusätzlichen Reiniger kaufen?
Fürs Fenster habe ich schon den Glasreiniger, aber ein Fensterleder sollte ich noch kaufen, oder?
Und ich brauche noch einen Wischmopp mit Eimer.
Zum Glück habe ich schon einen Staubsauger. Brauche ich da eigentlich noch einen Besen oder reichen eine Kehrschaufel und ein Handbesen?
Ach, und einen kleinen Eimer, z. B. zum Fensterputzen, wäre nicht schlecht.
Jetzt hatte ich eine lange Einkaufsliste. Und ging erneut los und versuchte mein Glück.
Damals kaufte ich alles so, wie ich es von zu Hause kannte.
Erst Jahre später wurde mir bewusst, dass ich vieles übernommen hatte, ohne jemals zu hinterfragen, ob es überhaupt zu meinem Leben passt.
Ein kleines Beispiel:
Mein erstes Hilfsmittel für die Bodenreinigung war ein klassischer Schrubber, ein Bodenwischtuch und ein Eimer.
Denn damals in der Kindheit sah diese Kombination logisch aus: ein Tuch, das um den Schrubber gewickelt wird, um zu wischen. Falls jedoch ein hartnäckiger Fleck beim Wischen mit dem Tuch nicht weggeht, kann das Tuch abgenommen und nur mit dem Schrubber der Fleck entfernt werden.
Zwischendurch gab es ein Wischmopp-Komplettset. Und heute benutze ich einen elektronischen Wischmopp, der leicht in der Handhabung und sehr sparsam in der Dosierung von Reinigungsmitteln und im Wasserverbrauch ist.
Das galt nicht nur für Putzmittel.
Es betraf Gewohnheiten, Routinen und viele kleine Entscheidungen im Alltag.
Rückblickend war das Putzmittelregal nur der Anfang.
Zum ersten Mal wurde mir bewusst, dass ich Entscheidungen selbst treffen musste.
Nicht alles, was ich aus meiner Kindheit kannte, passte automatisch zu meinem Leben.
Und genau dort begann etwas, das mich heute begleitet:
Die Frage, was wirklich zu mir passt.

